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Sponsoren für Schöngeister
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Sponsoren für Schöngeister  
 
  Wer sich den Geistes und Sozialwissenschaften verschrieben hat, wird nur von wenigen Fördertöpfen bedacht. Trotzdem müssen Schöngeister nicht brotlos bleiben. Es gibt Mittel und Wege zur Finanzierung.

Unsere Eltern haben es gleich gewusst: schöngeistige Fächer sind eine brotlose Kunst. In Sachen Fördermittel ist dies leider keine bloße Platitüde. Ob Germanisten, Anglisten, Philosophen oder Historiker, die begehrten Finanzspritzen sind rar: hier und da ein kleines Pflaster, aber die großen Geldspritzen bleiben aus. Wer im Ausland seine Sprachkenntnisse perfektionieren oder ein Fachsemester absolvieren möchte, kann sich zum Beispiel an den DAAD oder an Austauschprojekte wie Sokrates oder Erasmus wenden. Aber wie sieht es mit den finanziellen Beihilfen während des Semesters an bundesdeutschen Universitäten aus?

Eines der wenigen Stipendien, das sich explizit an Studierende schöngeistiger Fächer richtet, stammt aus dem Fürstenhaus Thurn und Taxis, die sogenannte Franz Marie Christinen-Stiftung. Vorausgesetzt man ist katholisch, bedürftig und kann einen "tadellosen Lebenswandel" vorweisen, steht einer Bewerbung nichts im Wege. Der Zuschuss richtet sich nach der Bedürftigkeit des Antragstellers.

Anwärter auf ein Grund und Hauptschullehramt, die aus Augsburg oder dem Regierungsbezirk Schwaben kommen, können es bei der Anna Roßbergschen-Stiftung versuchen: Sie vergibt ein eigens für Volksschullehrer und -lehrerinnen eingerichtetes Stipendium. Arbeiten aus der Philosophie und deren Grenzgebieten wiederum hat sich die Heinrich Heine-Stiftung angenommen. Ganz unbürokratisch kann hier ein Entwurf der Arbeit eingereicht werden mit dem Nachweis, dass das Projekt ohne finanzielle Unterstützung nicht durchzuführen ist. Sozialwissenschaftler dagegen sollten sich bei der Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur am Hamburger Institut für Sozialwissenschaften erkundigen: Hier wird sowohl für umfangreiche Projekte als auch für einzelne Arbeiten eine finanzielle Unterstützung gewährt.

Nicht nur Einserkandidaten

Chancen auf Unterstützung - Stipendien oder Büchergeld - bieten zum Beispiel auch politische und konfessionelle Stiftungen. In der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung ist beispielsweise ein Großteil der Stipendiaten in geisteswissenschaftlichen Fächern zu Hause. "Dies liegt nicht an unserem Auswahlverfahren, sondern einfach daran, dass kaum Bewerbungen von Studierenden technischer oder naturwissenschaftlicher Fächer bei uns eingehen." Reineke Schmoll Eisenwerth, Referent für die Bewerberauswahl führt das auf mangelndes Interesse zurück. Im katholischen Cusanuswerk stellen Philologen, Historiker, Sozialwissenschaftler oder Psychologen rund ein Drittel der Stipendiaten dar.

Die meisten dieser Stiftungen suchen dabei nicht Karrierestudierende mit den besten Noten, sondern gesellschaftlich engagierte Menschen, die auch einmal einen Blick über die Grenzen ihres Studienfaches hinaus wagen.

Beim größten deutschen Begabtenförderungswerk, der Studienstiftung des Deutschen Volkes, stehen traditionell zwar die Naturwissenschaften im Vordergrund, aber immerhin geht trotzdem rund ein Viertel der Stipendien an Geisteswissenschaftler, Psychologen inbegriffen. "In der Promotionsförderung kommen Geisteswissenschaftler sogar auf rund 40 Prozent." Marius Böger, Pressereferent der Studienstiftung, begründet dies damit, dass "Promovenden der Naturwissenschaften auf Hochschulstellen landen, die es bei den Geisteswissenschaftlern kaum gibt: Viele sind auf externe Förderung angewiesen.

Die Chancen, ein Promotionsstipendium zu ergattern, sehen insgesamt recht freundlich aus. "Für die Studenten gibt es ja das Bafög. Viele Stiftungen haben sich daher einem Wissenschaftsauftrag verschrieben und nicht in erster Linie die Ausbildung vor Augen." Und Wissenschaft, so Elisabeth Hemford vom Vorstand der Gerda Henkel-Stiftung, "beginnt eigentlich erst mit der Promotion." Zweimal jährlich entscheidet der Vorstand über Forschungsvorhaben in den Fächern Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte und historische Islamwissenschaften. Rund 30 Promovenden können mit 900 Euro monatlich ihre Projekte realisieren. Auch die Karl und Gertrud Abel-Stiftung vergibt Promotionsstipendien: Akademiker, die sich mit antiker Philosophie oder ihrer Rezeption befassen, haben Aussicht auf 750 Euro Unterstützung für die Dauer von zwei Jahren. Derselbe Betrag winkt jenen, die in der deutschen Literaturwissenschaft forschen, wenn sie sich bei der Stiftung Bildung und Wissenschaft um eines von fünf Stipendien bewerben.

Neben den großen, überregionalen Fördereinrichtungen gibt es private Einrichtungen, die oftmals nur für Studierende einer bestimmten Universität gedacht sind - diese sind fächerunabhängig: Die Freunde der Heidelberger Universität zum Beispiel helfen Examenskandidaten, wenn sie kurz vor dem Hochschulabschluss in eine soziale Notlage geraten.

Auf der Suche nach einem Stipendium solltest Du Dich auf jeden Fall bei der eigenen Universität nach Fördermöglichkeiten erkundigen. Manchmal musst Du Dich zwar durch die gesamte Verwaltung fragen, bis Du den richtigen Ansprechpartner gefunden hast. Im Idealfall jedoch verfügt die Uni über ein eigenes Referat für Stipendien. Auch außerhalb des Campus solltest Du die Augen offen halten: Zwar richtet sich der Fokus der Unternehmen nach wie vor auf zukünftige Techniker und Wirtschaftswissenschaftler, aber nur wenige Fördereinrichtungen von Unternehmen schließen Geistes- und Sozialwissenschaftler expressis verbis aus.

Wegweiser durch den Stiftungsdschungel:
  • Verzeichnis der deutschen Stiftungen
    Hrsg.: Bundesverband Deutscher Stiftungen e. V.,
    Darmstadt, Hoppenstedt. Erscheint unregelmässig.

  • Internet: www.stiftungsindex.de

  • Franz MarieChristinen Stiftung c/ o
    Fürst Thurn und Taxis Gesamtverwaltung Martin Dallmeier
    Emmeransplatz 5
    93047 Regensburg
    Tel.: 09 41/ 50 48-1 30

  • Cusanuswerk e. V. Baumschulallee 5
    53115 Bonn
    Tel.: 02 28/ 98 38 40

  • Friedrich-Ebert-Stiftung Reineke Schmoll Eisenwerth
    Godesberger Allee 149
    53175 Bonn
    Tel.: 02 28/ 88 30

  • Studienstiftung des Deutschen Volkes Marius Böger
    Mirbachstraße 7
    53173 Bonn
    Tel.: 02 28/ 82 09 60
    Internet: www.studienstiftung.de

  • Heinrich-Heine-Stiftung Sekretariat
    Egonstraße 28
    79106 Freiburg i. Br.

  • Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur
    Hamburger Institut für Sozialforschung
    Mittelweg 36
    20148 Hamburg
    Tel.: 0 40/ 41 40 97-0

  • Karl und Gertrud Abel Stiftung im Stifterverband
    für die Deutsche Wissenschaft
    Barkhovenallee 1
    45239 Essen
    Tel.: 02 01/ 84 01-1 51


    • Quelle: FAZ Hochschulanzeiger 06/2000, Katharina Vähning
 
 
 
 

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